Ana María Saavedra, 23 Jahre alt, ist die einzige Überlebende ihrer Familie nach dem Erdbeben der Stärke 7,4, das Kolumbien am 10. August 2026 verwüstete. Aus den Trümmern ihres Gebäudes in Cali gerettet, wurde sie am Becken operiert und steht nun vor einer doppelten Genesung: körperlich und emotional, nachdem sie ihre Eltern und ihre beiden Drillings-Schwestern verlor.

Eine Tragödie, die Kolumbien erschüttert

Das Erdbeben der Stärke 7,4, das am 10. August 2026 den Westen Kolumbiens erschütterte, hinterließ eine Spur der Trauer und Zerstörung. Eine der herzzerreißendsten Geschichten ist die der Familie Saavedra Caicedo aus Cali, einer der am stärksten vom Beben betroffenen Städte. Das Epizentrum befand sich in San José del Palmar in der Region Chocó, einer abgelegenen Gegend an der Pazifikküste Kolumbiens.

Von einem vierstöckigen Gebäude im Viertel Cuarto de Legua kam nur eine Person lebend heraus: Ana María Saavedra, eine 23-jährige junge Frau, die unter einem massiven Holztisch Schutz suchte, als das Gebäude vollständig einstürzte. Ihre Hilferufe wurden von Nachbarn gehört, die sie nach wenigen Minuten retteten und notfallmäßig in ein Krankenhaus brachten.

Wichtige Information: Das Gebäude, in dem die Familie lebte, stürzte am Montag, den 10. August, gegen 8:30 Uhr morgens ein. In diesem Viertel stürzten mindestens drei weitere Gebäude vollständig ein.

Der irreparable Verlust

Während Ana María im Krankenhaus um ihr Leben kämpfte, arbeiteten die Rettungskräfte gegen die Zeit, um ihre Angehörigen zu finden. Der Ausgang war tragisch: Ihre Eltern, Jairo Hernán Saavedra (63) und Blanca Victoria Caicedo (61), wurden umarmt im Schlafzimmer ihrer Wohnung leblos aufgefunden. Auch ihre Drillings-Schwestern, Sofía und Isabella, kamen ums Leben; eine wurde unter einer Treppe eingeklemmt, die andere wurde zuletzt gefunden, und ihr Tod wurde am Donnerstag, den 13. August, bestätigt.

Die Familie verlor auch einen Onkel der jungen Frauen, Diego Caicedo, den Bruder von Blanca, der sich zum Zeitpunkt des Bebens ebenfalls im Gebäude aufhielt.

„Diese Liebe war unermesslich, und der Beweis dafür ist, dass sie zusammen starben, umarmt“, sagte Diana March Espinosa, eine Cousine des Vaters der Drillinge.

„Doktor, ich muss leben“

Ana María unterzog sich einer Operation wegen eines Beckenbruchs, die laut ihren Verwandten erfolgreich verlief. Vor dem Eingriff in den Operationssaal sprach die junge Frau einen Satz, den ihre Familie zum Symbol ihres Überlebenswillens machte: „Doktor, ich muss leben, weil Gott mich für sehr große Dinge vorgesehen hat“, berichtete ihre Cousine.

Ihr Cousin, Carlos Augusto Saavedra, ein 49-jähriger Architekt, bestätigte, dass Ana María bei Bewusstsein und geistig klar ist, aber dass die Ärzte ihre Nutzung sozialer Netzwerke einschränkten und ihr psychologische Betreuung bieten. Die Spezialisten schätzen, dass sie in zwei bis drei Wochen wieder laufen könnte.

Die Nachricht vom Tod ihrer gesamten Familie wurde ihr am Donnerstagabend nach der Operation mitgeteilt. Laut ihrer Cousine fragte Ana María ständig nach ihren Eltern und Schwestern, ohne zu wissen, dass diese bereits tot aufgefunden worden waren. „Ich weiß nicht, wie ich ohne meine Schwestern leben soll, ich weiß nicht, wie ich ohne meinen Papa und meine Mama leben soll“, soll die junge Frau gesagt haben.

Eine Familie, vereint durch Musik und Salsa

Die Drillinge Saavedra Caicedo waren unzertrennlich. Sie studierten Marketing an der Universidad Javeriana (einer renommierten Universität in Bogotá), absolvierten ihr letztes Semester in Frankreich und kehrten gemeinsam nach Cali zurück, wo sie in derselben Branche arbeiteten. Ihre Eltern, bekannte Fans von Salsa-Musik und des Fußballvereins Deportivo Cali, waren die Seele der Familientreffen.

„Sie waren super fröhlich, sehr glückliche Menschen. Sie teilten gerne viel Zeit mit der Familie, sie liebten Musik, sie liebten Salsa“, erinnerte sich Carlos Saavedra. Freunde der Familie, wie der DJ Cristian Riascos, bargen aus den Trümmern die Plattensammlung des Vaters mit Klassikern von Héctor Lavoe, Sonora Ponceña und Richie Ray.

Eine Zukunft, die es aufzubauen gilt

Die Familie von Ana María hat ein Unterstützungsnetzwerk organisiert, um sie in den kommenden Jahren zu begleiten. Ihre Tanten Vicky und Esperanza werden dauerhaft in Cali bleiben, um sich um sie zu kümmern. Außerdem starteten sie eine Spendenkampagne, da die junge Frau nicht nur ihre Familie, sondern auch ihr Zuhause verlor.

„Ana María muss sich nicht nur erholen. Sie braucht wieder ein Zuhause. Ihre medizinischen und grundlegenden Ausgaben müssen gedeckt werden, und sie muss etwas Stabilität finden, um ihr Leben wieder aufzubauen“, schrieb Diana March Espinosa auf Instagram.

Das Erdbeben, das bislang mehr als 280 Tote und fast 4.000 Verletzte im ganzen Land forderte, offenbarte die Fragilität der Gebäude in Cali, wo 104 Menschen ihr Leben verloren und 115 noch vermisst werden, laut dem neuesten Bericht der Behörden.

Zahlen zum Erdbeben in Kolumbien

  • Stärke: 7,4
  • Epizentrum: San José del Palmar, Chocó
  • Datum: 10. August 2026
  • Tote: über 280 (104 in Cali)
  • Verletzte: fast 4.000
  • Vermisste in Cali: 115

Quellen: Infobae, BBC Mundo, La Nación, Clarín, TN.