Die Regierung der Provinz Buenos Aires hat Ermittlungen gegen Mercado Pago und andere virtuelle Geldbörsen eingeleitet. Grund sind tausende Beschwerden über missbräuchliche Praktiken bei der Kreditvergabe. Die Maßnahmen folgen auf eine Welle von Überschuldung, die Millionen Argentinier betrifft – ausgelöst durch die Wirtschaftskrise des Landes.

Warum geht die Provinzregierung jetzt vor?

Die Provinzregierung von Buenos Aires hat ein Ermittlungsverfahren gegen sechs bekannte digitale Geldbörsen eingeleitet, darunter Mercado Pago, Naranja Digital, Ualá, Personal Pay, Brubank und Cencosud. Der Vorwurf: Verstöße gegen das Verbraucherschutzgesetz, missbräuchliche Zinssätze und aggressives Inkassoverhalten.

Gouverneur Axel Kicillof und Wirtschaftsminister Augusto Costa verkündeten die Maßnahme am 20. August – offiziell nicht als Konfrontation, sondern als Schutz für Verbraucher. „Unser Land hat eine außergewöhnlich ernste Situation: nicht nur, dass 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung verschuldet sind, sondern auch, dass rund 6 Millionen Menschen ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können“, sagte Kicillof in seiner Ansprache.

Hintergrund ist die Wirtschaftskrise Argentiniens, die durch die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung unter Präsident Javier Milei verschärft wurde. Diese haben die Inflation weiter angeheizt und die Einkommen der Haushalte sinken lassen.

Die Zahlen: Beschwerden, Schulden und Strafen

Beschwerden in ersten Halbjahr

Die zuständige Verbraucherschutzbehörde der Provinz Buenos Aires hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 2.240 Beschwerden gegen die genannten Unternehmen registriert. Die Beschwerden beziehen sich auf:

  • Missbräuchliche Zinspraxis bei Verbraucherkrediten
  • Agressive Inkassopraktiken und Belästigung von Zahlungsrückständigen
  • Undurchsichtige Kostenstrukturen

Schuldensituation in Argentinien

Die Familien sind in der Krise besonders hart betroffen:

KriteriumZahl
Überschuldete Erwachsene60% der Bevölkerung
Menschen in Zahlungsverzug5,8 Millionen (Stand Juni)
Verzugsquote12,7% (Juni 2026) – vor zwei Jahren lag sie noch bei 2,5%
Zinsen für Fintech-Krediteüber 150% pro Jahr

Falls die Ermittlungen Unregelmäßigkeiten bestätigen, drohen den Unternehmen Strafen von bis zu 1.883 Millionen Pesos (ca. 1,7 Millionen US-Dollar). Sie müssen außerdem die beanstandeten Praktiken sofort beenden.

Kritik an der Initiative: Wer ist wirklich schuldig?

Die Maßnahme kommt nicht ohne Widerspruch. Das linke Portal La Izquierda Diario veröffentlichte einen Beitrag, der Kritik an der politischen Inszenierung der Regierung übt. Die Vorwürfe im Detail:

Kritikpunkte

  • Die CGT (größter Gewerkschaftsbund) habe es zugelassen, dass die Reallöhne weit hinter die Inflation zurückfallen.
  • Die Provinzregierung habe einen Verlust von 27% der Kaufkraft für ihre Angestellten zu verantworten.
  • Die Provinzbank BAPRO hat ebenfalls eine hohe Verzugsquote von 12% und ein Kostenmodell mit ähnlich hohen Zinsen (156% jährlich).

Die Sicht der Kritiker

Der Artikel zieht den Schluss, dass weder die nationale Regierung noch die Gewerkschaftsbürokratie eine Lösung für die arbeitende Bevölkerung anbieten. Das Vorgehen von Kicillof sei reine Symbolpolitik im Vorfeld seiner möglichen Kandidatur für das Präsidentenamt.

Der politische Kontext: Mehr als nur ein Verbraucherthema

Der Zeitpunkt der Aktion ist nicht zufällig gewählt. Am selben Tag, dem 20. August, demonstrierten die Gewerkschaften CGT und CTA vor dem Wirtschaftsministerium gegen die steigende Überschuldung von Familien. Die Protestbewegung hat sich in den letzten Wochen intensiviert.

Hintergrund: Erst am 19. August hatte sich Kicillof in der Provinz Chaco bei einem Treffen zur Neuorganisation der dortigen CGT als „der zukünftige Präsident“ feiern lassen, wie ein Gewerkschaftsvertreter der Gesundheitsbranche zitiert wurde. Dadurch ist seine politische Bühne im Fokus.

Unter den betroffenen Unternehmen befinden sich auch international bekannte Finanzdienstleister und die größte digitale Geldbörse Südamerikas, Mercado Pago – das gehört zum Tech-Unternehmen Mercado Libre.

Die Unternehmen müssen jetzt ihre Stellungnahmen einreichen. Bis dahin bleibt das Verfahren offen – doch das Signal an die Branche ist deutlich: Verbraucherschutz wird in Argentinien nicht länger ignoriert.