Ein Symposium für eine neue Präventionskultur
Am 19. August 2026 versammelte das XVI. Symposium der Fundación Vacunar in Buenos Aires mehr als 2.100 Teilnehmer – rund 600 in Präsenz und 1.500 online. Fachleute aus Medizin, öffentlicher Gesundheit und Kommunikation berieten, wie Argentinien seine Impfstrategie modernisieren kann. Im Mittelpunkt standen neue Vakzine gegen Dengue, Grippe und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) – aber auch die Frage, warum das Vertrauen in Impfungen sinkt und was dagegen getan werden kann.
Wichtigste Zahlen im Überblick
- 2.100+ Teilnehmer (600 vor Ort, 1.500 digital)
- 6.019.498 Grippeimpfstoffdosen bis zum 29. Juli 2026
- 170.000 Dengue-Impfdosen im Januar 2026 verteilt
- 75% DTP3-Impfquote (2024, WHO/UNICEF)
- 46% Quote für die zweite Masernimpfung
Grippe: Saison begann früher – Impfkampagne vorgezogen
Die Grippesaison startete 2026 ungewöhnlich früh. Deshalb begann die antigripale Kampagne in Argentinien drei Wochen früher als geplant. Auslöser war eine früh zirkulierende A(H3N2)-Variante mit erhöhter Übertragbarkeit. Bis zum 29. Juli wurden 6.019.498 Dosen verabreicht – das sind 336.188 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Impfung ist im Nationalen Impfkalender fest verankert und wird für Beschäftigte im Gesundheitswesen, Personen ab 65 Jahren, Schwangere, Kinder zwischen 6 und 24 Monaten sowie Risikopatienten empfohlen. Für die Saison 2026 wurden trivalente Impfstoffe mit den von der WHO empfohlenen Stämmen für die südliche Hemisphäre eingesetzt.
Dengue: Impfung als Teil einer Gesamtstrategie
Die Dengue-Epidemie 2023–2024 war die schwerste seit Jahren: 19 Provinzen waren betroffen, mehr als 556.000 Fälle und 404 Todesfälle wurden bis zur 31. Epidemiewoche 2024 registriert. Der neue tetravalente Impfstoff TAK-003 ist ein wichtiges Werkzeug, aber keine Alleinlösung. Die Experten betonten, dass weiterhin Mückenkontrolle, Beseitigung von Brutstätten und Überwachung entscheidend sind. Im Januar 2026 hat die Regierung 170.000 Dosen an 11 Provinzen geliefert, um 85.000 Impfschemata (zwei Dosen im Abstand von drei Monaten) abzuschließen. Die Impfung muss in eine langfristige, vor der Hauptsaison geplante Strategie eingebettet sein.
RSV: Schutz durch Mutterimpfung und Antikörper
Gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) startete am 12. Januar die Impfung von Schwangeren zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche. Zusätzlich wurde Nirsevimab in die Winterkampagne für pädiatrische Risikogruppen aufgenommen. Wichtig zu wissen: Nirsevimab ist kein Impfstoff, sondern ein langwirksamer monoklonaler Antikörper, der direkt Antikörper liefert und während der Virussaison schützt.
Impfungen in der Schwangerschaft
Die Hauptrednerin Dr. Flor Muñoz-Rivas vom Baylor College of Medicine hob hervor: „Gesunde Frauen sind der Eckpfeiler gesunder Gesellschaften.“ In Argentinien werden Schwangeren die Grippeimpfung, die Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Impfung (dTpa) ab Woche 20 und die RSV-Impfung zwischen Woche 32 und 36 empfohlen.
Internationale Vergleiche
Laut WHO/UNICEF liegt die DTP3-Impfquote in Argentinien bei 75% (2024). Die zweite Masernimpfung erreicht nur 46%. Weltweit blieben 2025 19,6 Millionen Kinder ohne oder mit unvollständigem Impfschutz – ein alarmierender Trend, der auch vor Argentinien nicht Halt macht.
Desinformation: Präbunking als Strategie
Ein eigener Programmpunkt widmete sich der Kommunikation. Präbunking – also die präventive Stärkung von Medienkompetenz – soll Menschen widerstandsfähiger gegen Manipulation machen. Florencia Ballarino, Chefredakteurin von Chequeado, berichtete von über 60 YouTube-Kanälen mit KI-generierten Ärzten, die Falschinformationen verbreiten. Dr. Mariano Díaz, Präsident der Fundación Vacunar, forderte eine empathischere Arzt-Patienten-Beziehung: „Wir glauben, wenn wir starr sind, sind wir bessere Ärzte.“
Neu: Diplomlehrgang für Impfpraxis
Zum Abschluss kündigte die Stiftung eine Diplomatura en Vacunología an – ein Weiterbildungsprogramm gemeinsam mit dem Instituto Universitario CEMIC, geleitet von den Ärzten Pablo Bonvehí, Vanesa Castellano und Mariano Díaz.
Das Symposium zeigt: Argentinien hat neue Werkzeuge gegen Dengue und RSV, reagiert flexibel auf die Grippesaison – doch der Erfolg hängt davon ab, Vertrauen zurückzugewinnen und Impfungen flächendeckend umzusetzen. Prävention ist mehr als eine Spritze: Sie ist eine Brücke zwischen Wissenschaft und Alltag.