25/06/2026 21:55 - Internacionales
In einem Urteil, das einen Präzedenzfall in der europäischen Klimagesetzgebung darstellt, ordnete ein Gericht in Paris am 25. Juni 2026 an, dass der Ölkonzern TotalEnergies die Klimarisiken offenlegen muss, die mit den Emissionen seiner Produkte verbunden sind, und Pläne zu deren Bewältigung erstellen soll. Das Urteil fällt in eine Zeit, in der Frankreich eine historische Hitzewelle erlebt, die 58 Departements in rote Alarmstufe versetzt hat.
Um die Tragweite des Urteils zu verstehen, muss man wissen, was genau Gegenstand des Verfahrens war. Die Treibhausgasemissionen werden in drei "Scopes" (Geltungsbereiche) unterteilt:
Nach Angaben der klagenden Umweltorganisationen hat TotalEnergies diese letztgenannten Emissionen nicht bilanziert, obwohl sie im Jahr 2024 insgesamt 342 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent ausmachten.
Die Klage war von vier Umwelt-NGOs und der Stadt Paris selbst eingereicht worden. Obwohl das Gericht nicht die drastischen Maßnahmen anordnete, die die Kläger gefordert hatten – wie die Einstellung neuer Förderprojekte oder verbindliche Reduktionsziele von 37% für Erdöl und 25% für Erdgas bis 2030 – etablierte es doch einen fundamentalen Rechtsgrundsatz.
"Erstmals erkennt ein Richter an, dass Klimarisiken in die Sorgfaltspflicht großer Konzerne fallen, und kein multinationaler Konzern im Bereich fossiler Brennstoffe kann sich dieser Verantwortung entziehen."
Das Gericht stellte fest, dass der Sorgfaltplan des Unternehmens "unvollständig" sei, und setzte eine Frist von sechs Monaten, um ihn zu überarbeiten und die Emissionen der Endverbraucher einzubeziehen. Damit wird das französische Sorgfaltsgesetz von 2017 angewandt, das große französische Unternehmen verpflichtet, Umwelt- und Menschenrechtsrisiken in ihren Aktivitäten zu verhindern.
Das französische "Loi de Vigilance" (Sorgfaltsgesetz) von 2017 ist ein Pioniergesetz in Europa. Es verpflichtet große französische Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern, einen Sorgfaltplan zu erstellen, um schwere Verletzungen der Menschenrechte, der Gesundheit und der Umwelt in ihren Lieferketten zu verhindern. Verstöße können zu zivilrechtlichen Schadensersatzklagen führen. Ähnliche Gesetze werden inzwischen auch auf EU-Ebene diskutiert.
Das Urteil reiht sich ein in eine wachsende Welle globaler Klimaklagen, bekannt als "Klimaklagen" (Climate Litigation). Die Verteidigung von TotalEnergies hatte argumentiert, dass die globale Erwärmung selbst dann weiterginge, wenn das Unternehmen seine Tätigkeit einstellte, da es weniger als 2% der Weltproduktion ausmache, und bezeichnete die Klage als "Dämonisierung". Das Gericht befand jedoch, dass ein "inhärenter Zusammenhang" zwischen der Förderung von Erdöl und Erdgas und deren späterer Verbrennung besteht.
Die Stadt Paris feierte die Entscheidung als "historisch" und verwies darauf, dass die Metropole die Auswirkungen des Klimawandels aus erster Hand erlebt. Experten des Grantham Research Institute hoben hervor, dass das Urteil den Umgang mit Klimarisiken als rechtliche Verpflichtung und nicht als freiwillige Praxis feststellt.
Dieses Urteil stärkt die Transparenzpflichten großer Konzerne und ebnet den Weg für mehr unternehmerische Verantwortung im Klimaschutz. Es zeigt, dass Gesetze wie das französische Sorgfaltsgesetz echte Wirkung entfalten können und Bürgerrechte gestärkt werden.
Quelle: The Guardian
Alfredo S. Quiroga