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Dollar nicht mehr unter dem Matratzen: Argentinier hinterlegten 700 Millionen USD bei Banken im Mai

27/06/2026 21:58 - Economia

Eine gute Nachricht für Argentiniens Wirtschaft

Der Mai 2026 brachte einen ermutigenden Datenpunkt für die argentinische Wirtschaft: Die Sparer behielten nicht nur ihren Appetit auf Dollar, sondern begannen wieder dem Bankensystem zu vertrauen. Von den insgesamt 2,26 Milliarden USD, die zum Horten gekauft wurden, verblieben rund 700 Millionen USD bei lokalen Finanzinstituten, wie die argentinische Zentralbank berichtete.

Dies stellt einen bedeutenden Verhaltenswandel dar. Über Jahre hinweg bevorzugten Argentinier, ihre Dollar in bar aufzubewahren – das berühmte „unter dem Matratzen“. Mit der Abschaffung der Devisenkontrollen und neuen fiskalpolitischen Vertrauensmaßnahmen scheint sich dieser Trend langsam umzukehren.

Hintergrund: Warum „unter dem Matratzen“?

Für ausländische Leser ist es wichtig zu verstehen: Argentinier haben eine historische Traumatisierung durch Bankenkrisen. 2001 fror die Regierung alle Bankeinlagen ein – das sogenannte „Corralito“. Seitdem vertrauten viele Bürger nur noch physischem Bargeld. Die Tatsache, dass nun wieder Geld bei Banken verbleibt, ist ein starkes Signal fürNormalisierung.

Was bedeutet dieser Trendwechsel?

Für Wirtschaftsminister Luis Caputo ist dieser Datenvon fundamentaler Bedeutung. Die im Bankensystem verbleibenden Dollar können für Kredite und zur Finanzierung des Schatzamtes zu günstigeren Zinssätzen eingesetzt werden als ausländische Anlagefonds anbieten.

BegriffBetrag (Mio. USD)Anmerkung
Dollar-Käufe (Mai 2026)2.260Niedrigster Wert des Jahres (-16% gg. April)
Dollar bei Banken hinterlegt70031% der Gesamtkäufe
Bargeld („Matratze“)1.10449% der Gesamtkäufe
Auslandstourismus61925% weniger als April
Digitale Dienste (Netflix, etc.)163Stabil
Postimport (Shein/Temu)115Stabil

Quelle: Banco Central de la República Argentina, Mai 2026.

Leistungsbilanzüberschuss: 5,109 Milliarden USD in 12 Monaten

Der Wechselkurs-Ausweis des Mai ergab einen weiteren positiven Wert: der zweite monatliche Überschuss in Folge in der Leistungsbilanz. Das bedeutet, dass mehr Dollar ins Land kamen als abflossen – in Argentiniens jüngeren Wirtschaftsgeschichte eher selten.

Die Regierung projiziert für 2026 einen Exportboom dank Vaca Muerta (eines der größten Erdgas- und Ölfelder der Welt) und guter Agrarperformance: potenziell 100 Milliarden USD Außenhandel mit einem Handelsbilanzüberschuss von über 20 Milliarden USD.

Dieses Szenario könnte das Tourismus- und Dienstleistungsdefizit finanzieren und der Zentralbank erlauben, weiter Reserven aufzubauen – aktuell 47,508 Milliarden USD.

Auslandstourismus im Rückenwind

Die Ausgaben von Argentiniern mit Kreditkarten im Ausland beliefen sich im Mai auf 619 Millionen USD – 25% weniger als im April. Vergleichsweise niedrig zu den Sommermonaten, wo oft über 1 Milliarde USD erreicht werden.

Achtung: Der „WM-Effekt“ und die Winterferien könnten diesen Posten in den nächsten Berichten erhöhen.

70% des Tourismus mit eigenen Dollar

Die Zentralbank klärt auf: Die meisten Tourismus- und Flugausgaben werden mit Dollar beglichen, die Nutzer bereits auf ihren Bankkonten haben. Das bedeutet: Nicht jeder Dollarkauf bedeutet Reservenverlust für die Zentralbank.

Was kommt? Der „Aguinaldo-Effekt“

Erklärung für Ausländer: Das „Aguinaldo“ ist in Argentinien gesetzlich vorgeschrieben – ein 13. Monatsgehalt, das halbjährlich im Juni und Dezember gezahlt wird. Ökonomen erwarten für Juni/Juli erhöhte Dollarkäufe durch diese Liquiditätsspritze. Typische Effekte:

  • Schuldentilgung: Die Bankmoral erreichte 12,1% – höchster Stand seit über 20 Jahren.
  • Mehr Konsum: Neue Tarifverträge verbesserten das Realeinkommen.
  • Dollarkäufe: Aktuelle Wechselkursbewegungen wirken als Anreiz.

Der „Blue Dollar“ (inoffizieller Parallelkurs) erreichte 1.530 ARS im Juni – ein Plus von 100 ARS (+5,2%). Der offizielle Kurs liegt bei 1.495 ARS.

Fazit: Ein Trendwechsel

Die Regierung interpretiert das Leistungsbilanzplus nicht als saisonales „Unfall“, sondern als Beginn eines strukturellen Wandels. Die Kombination aus wachsendem Vertrauen im Bankensystem, Rekordexporten und Importbeschränkungen schafft Bedingungen für ein Szenario, das es seit Jahren nicht gab: Dollar, die ins Land kommen und im System bleiben.

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Alfredos Kolumne Alfredo S. Quiroga

Alfredo S. Quiroga