23/07/2026 09:18 - Politica
Auf der Suche nach einer prosperierenden und föderaleren Zukunft hat die Gemeinde Castelli einen Schritt unternommen, der die institutionelle Politik der Provinz Buenos Aires grundlegend verändern könnte. Unter der Führung des peronistischen Bürgermeisters Francisco Echarren hat der Gemeinderat den ersten Entwurf für die erste Gemeindeordnung (Carta Orgánica Municipal) in der Geschichte der Provinz vorgelegt.
Das Hauptziel ist es, den 135 Gemeinden der Provinz Buenos Aires mehr politische, administrative und finanzielle Autonomie zu verschaffen und das einheitliche Schema des Dekret-Gesetzes 6769/58 (Ley Orgánica de Municipalidades, LOM) aus dem Jahr 1958 zu ersetzen. Dieses Gesetz, das in einer nichtdemokratischen Ära verabschiedet wurde, betrachtet die Gemeinden lediglich als Verwaltungseinheiten der Provinz – eine Sichtweise, die angesichts der heutigen Anforderungen der Bürger längst überholt ist.
Das Projekt, das bereits einen Entwurf mit 196 Artikeln umfasst, wurde mit Blick auf die lokale Entwicklung erarbeitet. Zu den wichtigsten Vorschlägen gehören:
Die Initiative stützt sich auf Artikel 123 der Nationalverfassung, der in der Reform von 1994 die institutionelle, politische, administrative, wirtschaftliche und finanzielle Autonomie der Gemeinden verankert. Die Provinz Buenos Aires hat ihre Verfassung jedoch nie an dieses Gebot angepasst.
Um diese rechtliche Lücke zu schließen, hat Echarren eine direkte Klage beim Obersten Gerichtshof der Nation (Corte Suprema de Justicia de la Nación) eingereicht, um den Umfang dieser Autonomie klären zu lassen. Der Bürgermeister bezeichnete die aktuelle LOM als „verfassungswidrig und veraltet“ und betonte, dass die Autonomie es ermöglichen werde, „das Leben der Bürger zu verbessern“.
Die Maßnahme wird von mehr als zwei Dritteln des Gemeinderats von Castelli unterstützt – einem Distrikt mit rund 15.000 Einwohnern, der große Träume hegt.
Der Vorstoß von Castelli entfacht eine Debatte, die drei Jahrzehnte lang vernachlässigt wurde und nun Bürgermeister aus verschiedenen politischen Lagern vereint. So stimmen etwa der unabhängige Bürgermeister Matías Nebot (Saavedra) sowie die Radikalen José Luis Salomón (Saladillo) und Esteban Reino (Balcarce) darin überein, dass die fehlende Autonomie die lokale Handlungsfähigkeit einschränkt und die Entwicklung öffentlicher Politik behindert.
In der Provinzgesetzgebung treibt der libertäre Senator Diego Valenzuela eine Reform der LOM voran, basierend auf seinen zehn Jahren Erfahrung als Bürgermeister, während Senator Marcelo Leguizamón (HECHOS) eine bikamerale Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Gesetzes vorschlägt. Auch die radikale Senatorin Nerina Neumann Losada hat ein Projekt eingebracht, um den kommunalen Anteil an der Steuerverteilung von derzeit 16,14 % auf 20 % innerhalb von vier Jahren zu erhöhen.
Laut Quellen, die von Medien wie Grupo La Provincia, Infocielo und La Tecla zitiert wurden, könnte der Prozess in Castelli zwar bis zu acht Jahre dauern, um vollständig umgesetzt zu werden, aber er hat bereits sein erstes großes Ziel erreicht: die kommunale Autonomie ins Zentrum der politischen Agenda der Provinz zu rücken.
Alfredo S. Quiroga