Mit einer Rede, die sie selbst als Ergebnis 'menschlicher Intelligenz' bezeichnete, wurde Adriana García zur ersten Rektorin der Universidad Nacional de Cuyo (UNCuyo) gewählt – gemeinsam mit Ana Sisti als Vize-Rektorin. Bei ihrer Amtseinführung kritisierte sie die Unterfinanzierung der Universitäten und verteidigte die Autonomie gegen parteipolitische Einflüsse, während die Provinzregierung durch Abwesenheit glänzte.

Ein historischer Moment für die UNCuyo

Die Universidad Nacional de Cuyo (UNCuyo) in der Provinz Mendoza erlebte am Samstag, den 15. August 2026, einen historischen Wendepunkt: Mit Adriana García als Rektorin und Ana María Sisti als Vize-Rektorin übernahm erstmals in der 87-jährigen Geschichte der Universität ein weibliches Führungsduo die Leitung. Die feierliche Zeremonie fand im Saal Roja der Nave UNCuyo statt und markierte zugleich die längste ununterbrochene demokratische Periode seit 1983.

García, die sich am 23. Juni in einer Stichwahl an der Spitze der Gruppierung Encuentro Plural durchsetzte, wird die Universität bis 2030 führen. In ihrer Antrittsrede betonte sie: 'Die Universität wird aus dem gebaut, was in der Vergangenheit bereits geschaffen wurde' – und hob hervor, dass Menschen wichtiger seien als Strukturen.

Kritik an der Nationalregierung und Verteidigung der öffentlichen Universität

Ein zentraler Punkt ihrer Rede war die Verteidigung der öffentlichen Universität gegen die Politik von Präsident Javier Milei. García stellte sogenannte 'Mythen' über das öffentliche Universitätssystem in Frage und erklärte, ihr Hauptziel sei 'die Reduzierung eines Budgets, das von einer rein wirtschaftlichen Perspektive als zu teuer angesehen wird'. Sie warnte vor einem 'tiefen und anhaltenden Verfall des argentinischen Wissenschaftssystems seit Dezember 2023'.

'Der Kampf für die Verteidigung der öffentlichen Bildung und der öffentlichen Wissenschaft ist ein Kampf um den Sinn, der es uns in diesen Jahren ermöglicht hat, dieses Recht im Rahmen einer freien und souveränen Republik zu behaupten.'

Die neue Rektorin kritisierte auch die Vereinnahmung des Begriffs 'Freiheit' durch die Nationalregierung: 'Freiheit ist direkt mit der Menschenwürde verbunden', sagte sie – nicht nur mit dem Markt. Ihre Stellvertreterin Sisti ging noch weiter: 'Wir sind keine Terroristen, wir sind Erzeuger kritischen Denkens', und fügte hinzu: 'Wir sind kein Hort von Faulenzern, wir sind Produzenten von Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wissen'.

Peronistische Rückkehr und Absenz der Provinzregierung

Die Zeremonie bot auch ein klares politisches Bild: die Rückkehr des Peronismus an die Spitze der UNCuyo nach 12 Jahren radikaler (UCR-)Führung. Unter den Gästen befanden sich die Bürgermeister Ulpiano Suarez (UCR) und Matías Stevanato (PJ), die nationalen Senatorinnen Anabel Fernández Sagasti (PJ) und Mariana Juri (UCR) sowie der nationale Abgeordnete Martín Aveiro.

Bemerkenswert: Die Regierung von Gouverneur Alfredo Cornejo entsandte keinen Vertreter zu der Feier. García vermied eine direkte Polemik, betonte aber ihren Willen zum Dialog mit allen politischen Kräften – und stellte klar: 'Die Universität muss ihre Autonomie gegenüber der Parteipolitik bewahren.'

Offene Frage: Voruniversitäre Schulen

García kündigte an, sich für die Anerkennung der Universitätsbürgerschaft der von der UNCuyo abhängigen Sekundarschulen einzusetzen – darunter die Escuela de Agricultura in Gral. Alvear, das Colegio Universitario Central, das Magisterio, Martín Zapata, das Liceo Agrícola y Enológico und das Departamento de Aplicación Docente. Diese Schulen haben diesen Status bisher nicht.

Kontroverse um Ehemann im Kabinett und offene Arbeitsverträge

Die Ernennung ihres Ehemanns, des Historikers Adolfo Cueto, zum Generalsekretär der UNCuyo sorgte für Kritik. García verteidigte ihn entschlossen: 'Schlagen Sie den Begriff im Wörterbuch nach', entgegnete sie auf Nepotismus-Vorwürfe und verwies auf Cuetos Karriere als Doktor der Geschichte, emeritierter Professor und vierfacher Dekan der Fakultät für Philosophie und Literatur.

Eine weitere Herausforderung ist die Situation von rund 100 Arbeitsverträgen, von denen einige Ende August, andere Ende des Jahres auslaufen. García versicherte, dass 'jeder Fall einzeln geprüft wird' und dass ihre Amtsführung dem Prinzip folge: 'Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen.'

Digitale Bildung, psychische Gesundheit und Finanzierung

Die neue Rektorin kündigte an, dass digitale Bildung eine strategische Priorität werde – warnte jedoch: 'Digitalisierung bedeutet nicht nur, mehr Bildschirme hinzuzufügen'. Zur künstlichen Intelligenz schlug sie ein Modell der 'Ko-Intelligenz' zwischen Mensch und Maschine vor: 'Wenn junge Menschen KI nutzen, damit sie für sie denken, bleiben sie von Technologiekonzernen dominiert.'

Ebenso betonte sie die körperliche und psychische Gesundheit der Universitätsgemeinschaft als Führungsaufgabe. Angesichts der Budgetkrise kündigte sie die Suche nach neuen Finanzierungsquellen an – darunter Kooperationen mit internationalen Organisationen und Absolventen, die heute Führungspositionen im Produktionssektor innehaben.

Die Zeremonie wurde vom Kammerchor der UNCuyo musikalisch umrahmt. Anwesend waren Rektoren anderer nationaler Universitäten sowie der frühere Gouverneur José Octavio Bordón, der seine Glückwünsche übermittelte. Die scheidenden Autoritäten Esther Sánchez und Gabriel Fidel wurden mit institutionellen Geschenken geehrt.

Zeitplan der Dekans-Einführungen
  • Dienstag, 18.08.: Ingenieurwesen (8:30), Zahnmedizin (10), Erziehungswissenschaften (11:30), Politikwissenschaften (15), Rechtswissenschaften (16:30), Philosophie und Literatur (18).
  • Mittwoch, 19.08.: Kunst und Design (9), Wirtschaftswissenschaften (10), Medizin (11:30), Exakte Wissenschaften (13), Agrarwissenschaften (17:30).
  • Donnerstag, 20.08.: Angewandte Wissenschaften in San Rafael (11).

Mit einer Rede, die Geschichte, politische Kritik und Gestaltungsvorschläge verband, beginnt Adriana García eine Ära, die für die Zukunft der Hochschulbildung in Mendoza und ganz Argentinien wegweisend sein könnte.