Santiago Bausili, Präsident der argentinischen Zentralbank (BCRA), hat am Mittwoch auf dem FIEL Premium Meeting in Buenos Aires seine Prognose für die August-Inflation bekannt gegeben: Sie wird unter 2 % liegen. Diese Einschätzung stützt sich auf sinkende Großhandelspreise und hochfrequente Messungen privater Analysten. Gleichzeitig betonte Bausili den anhaltenden restriktiven geldpolitischen Kurs, der den Dollar stabil hält, aber keine Kreditwelle in Fremdwährung erwarten lässt.

Ein Signal der Zuversicht für Argentiniens Preise

Inmitten eines Marktes, der die Entwicklung der Preise und finanziellen Spannungen genau beobachtet, sendete Santiago Bausili, der Präsident der Zentralbank der Argentinischen Republik (BCRA), eine klare Botschaft: Die Inflation im August wird die 2-Prozent-Marke von unten durchbrechen. Diese Ansicht überrascht insofern, als dass die Teuerung im Juli noch bei 2,1 Prozent lag und im Juni bei 1,9 Prozent.

Bei seiner Rede auf dem FIEL Premium Meeting am 19. August 2026 argumentierte der Funktionär: „Wir sehen weiterhin eine Verringerung der Inflation; die Ökonomen, die ihre Hochfrequenzmessungen für August veröffentlichen, sind ziemlich optimistisch.“ Er bezog sich dabei auf den Verbraucherpreisindex (VPI), den das nationale Statistikamt INDEC üblicherweise einen Monat später bekannt gibt.

Der offizielle VPI für August wird das INDEC am 10. September veröffentlichen, doch das Wirtschaftsteam zeigt sich bereits jetzt zuversichtlich. Bausili erläuterte: „Die Druckfaktoren im ersten Quartal, die wir als vorübergehend eingestuft haben, haben im zweiten Halbjahr tatsächlich nachgelassen.“

Inflationsrate: Die Entwicklung auf einen Blick

Monat (2026)VerbraucherpreiseGroßhandelspreise
Juni1,9 %k.A.
Juli2,1 %0,8 % (Vorjahr: 31,1 %)
August (Prognose)< 2 %k.A.

Großhandelspreise so niedrig wie seit über einem Jahr nicht

Der Optimismus basiert nicht auf Luftschlössern. Einen Tag zuvor hatte das INDEC die Großhandelspreise für Juli veröffentlicht: Diese stiegen lediglich um 0,8 Prozent. Das ist die niedrigste Rate seit Mai 2025 und das beste Juli-Ergebnis seit 2019. Innerhalb des Jahres summieren sich die Großpreise auf 16,6 Prozent, im Jahresvergleich auf 31,1 Prozent.

Details aus dem INDEC-Bericht: Nationale Produkte verteuerten sich um 0,8 Prozent – angetrieben von Landwirtschaft, Chemie, Fahrzeuge und Lebensmittel –, importierte Waren stiegen um 0,5 Prozent.

Diese Zahlen sorgten für Feierlaune in der Regierung. Präsident Javier Milei schrieb auf X (ehemals Twitter): „Und zum Schluss hat der Juli bei NULL begonnen. Großhandelsinflation = 0,8 %.“ Sein Wirtschaftsminister, Luis Caputo, betonte, es sei die geringste Teuerung eines Julis seit 2019.

Zentralbank hält an restriktiver Geldpolitik fest – das Versprechen an den Dollar

Trotz der guten Nachrichten bleibt das Geldgeberverhalten des BCRA unverändert: „Man darf nicht erwarten, dass die Zentralbank die Wirtschaft über die Geldpolitik ankurbelt. Im Gegenteil, wir verfolgen eine kontraktive Ausrichtung“, präzisierte Bausili.

Die Strategie der Notenbank läuft über die Steuerung der Geldmenge und der Liquidität im System – ein Ansatz, der den Markt für Peso-Verbindlichkeiten eng hält und die Zinssätze auf hohem Niveau fixiert. Die Tagesgeldzins (Caución) ist zuletzt auf 29 Prozent geklettert und erreichte am Dienstag kurzzeitig 38 Prozent.

Aus Sicht der Regierung ist diese hohe Zinsphase kein Negativum, sondern ein Trumpf: Die begrenzte Menge an Pesos in der Wirtschaft hilft, den Dollar-Wechselkurs unter Kontrolle zu halten, und setzt die Desinflation fort. Zugleich bekräftigte die Notenbank, sie werde ihre Zinssenkungen beibehalten und ihr Reserveankaufprogramm fortführen. In diesem Jahr hat die BCRA bereits mehr als 13 Milliarden US-Dollar an Reserven zugelegt.

Wachstum, aber mit Bremse

Dennoch sieht Bausili Raum für eine Erholung: „Wir beobachten einen wirtschaftlichen Expansionsprozess, und das Entscheidende ist, dass er vom Exportsektor getragen wird, bei gleichzeitigem Haushalts- und Geldgleichgewicht.“ Die Erholung sei ungleichmäßig, räumte er ein, doch der Fokus auf private Investitionen verspreche ein qualitativ besseres Wachstum als die frühere expansive Staatsausgaben.

Ökonomenschätzen für das Jahr 2026 ein Wachstum von 2 Prozent – ein Wert, den Bausili teilt, obwohl das offizielle Budget 3,5 Prozent veranschlag hatte. Argentinien sei zudem besser auf ein komplexes externes Umfeld vorbereitet, etwa durch die schleppende Weltkonjunktur oder Energiepreisschocks.

Kreditvergabe in Dollar? Keine Welle, aber kluge Projekte

Bausili reagierte zurückhaltend auf die kürzlich erlassene Richtlinie „A“ 8467, die den Zugang zu Krediten in Devisen für Unternehmen erleichtern soll. „Erwarten wir einen Boom? Wir sehen das als Flexibilisierung. Das gesamte Finanzsystem kennt die Risiken einer Mismatch-Bilanz – die Lektion von 2001 ist noch präsent. Niemand wird ungehemmt in neue Dollarverbindlichkeiten stürtzen.“ Es werde hingegen zu einer Verbesserung der Finanzierung für bestimmte Sektoren kommen, etwa für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Immobilienprojekte, wo Projekte mit kalkulierbaren Risiko schon möglich seien.

Markt in Zahlen – ein kompaktes Update

Die Finanzmärkte endeten am Mittwoch durchmischt: Die Aktienbörse von Buenos Aires verlor 0,3 Prozent, die Staatsanleihen von Anleger ebbte und der Risikoiniex (Risikoländerquote) kletterte auf 512 Basispunkte.

Am Devisenmarkt notierte der offizielle Dollar bei der Banco Nación 1.515 US-Dollar/$,Peso-Sterling für den Verkauf (aktuell, Stand Mittwoch), während der Großhandelskurs unter der Schwelle von 1.500 US-Dollar gehalten wurde – eine Linie, die die BCRA mit hohen Zinsen und begrenzter Liquidität verteidigt.

Die Marktteilnehmer blicken gespannt auf die VPI-Entwicklung. Private Researcher wie Analytica, LCG und EconViews projektieren für August eine monatliche Inflationsrate von 1,8 bis 1,9 Prozent.

Dieser Text basiert auf Originalbericht von Imago Noticias.