Der britische Premierminister Andy Burnham beruft ein Notfalltreffen des Cobra-Krisenstabes angesichts der fünften Hitzewelle des Sommers ein. Mit Temperaturen bis zu 38°C und verheerenden Waldbränden prüft die Regierung dringende Maßnahmen wie ein Grillverbot. Die Wirtschaft erleidet Milliardenverluste, während der NHS sich auf künftige Sommer vorbereitet und technologische Lösungen Hoffnung bieten.

Großbritannien im Hitzestress: Waldbrände und Notfallmaßnahmen

Veröffentlicht am 12. August 2026 | Quelle: The Guardian

Der britische Premierminister Andy Burnham hat ein Notfalltreffen des Cobra-Ausschusses einberufen. Cobra ist der britische Krisenstab, der bei nationalen Notfällen zusammentritt. Anlass ist die fünfte Hitzewelle in diesem Sommer. Während eines Besuchs in Stevenage kündigte Burnham an, dass die Regierung ein Verbot von Einweggrills (disposable barbecues) prüft, da diese als eine der Hauptursachen für die verheerenden Waldbrände im Land identifiziert wurden.

Die extremen Temperaturen haben zu Wetterwarnungen geführt. Am Donnerstag, den 13. August, werden Höchsttemperaturen von 38°C erwartet. Der britische Wetterdienst (Met Office) hat für weite Teile Englands, insbesondere in den Midlands, im Osten und Südosten, eine Warnstufe Orange (Amber Alert) von 9:00 Uhr bis Mitternacht ausgegeben, wo 36°C bis 37°C erreicht werden könnten.

Aktive Waldbrände im Land

Die Feuerwehren kämpfen weiterhin an mehreren Fronten im gesamten Vereinigten Königreich:

  • New Forest (Hampshire): Ein Feuer hat die Autobahn A31 in beide Richtungen für mindestens 48 Stunden gesperrt.
  • Dunwich Heath (Suffolk): Über 100 Hektar (247 Acres) sind in zwei Wochen verbrannt. Die Behörden fanden eine Weltkriegsbombe, die durch das Feuer freigelegt wurde.
  • Cairngorms (Schottland): Ein Brand wütet seit vier Wochen. Der schottische Feuerwehrdienst hat eine sehr hohe Risikowarnung für die östlichen Highlands und den Süden ausgegeben.
  • Barking (London): 10 Feuerwehrautos und 70 Einsatzkräfte bekämpfen ein Feuer in der Ripple Road.

Wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen

Die extreme Hitze hat Wirtschaft und öffentliche Gesundheit hart getroffen. Laut dem Thinktank Verdant kosteten die Hitzewellen zwischen Mai und Juli die britische Wirtschaft über 4,4 Milliarden Pfund (GBP) an verlorener Produktion, davon entfielen 2,36 Milliarden allein auf den Juni.

Die Gesundheitsministerin Yvette Cooper teilte mit, dass es im Mai und Juni etwa 2.800 Todesfälle über dem Durchschnitt aufgrund der Hitze gab. Cooper hat den NHS (National Health Service, das staatliche Gesundheitssystem) angewiesen, Sommerpläne mit der gleichen Strenge wie die Winterpläne vorzubereiten. Ein Teil der 6,75 Milliarden Pfund ist für die Klimatisierung von Krankenhäusern vorgesehen.

Klimaanpassung und landwirtschaftliche Herausforderungen

Trotz des Notstands ergab eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz, dass nur 20 der 6.600 Mitarbeiter des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und ländliche Räume (Defra) im Bereich Klimaanpassung arbeiten – gerade einmal 0,3 % des Personals.

In der Landwirtschaft steht England vor der schlechtesten Ernte aller Zeiten aufgrund der Dürre. Gavin Lane, Präsident der Country Land and Business Association, wies darauf hin, dass in den letzten fünf Jahren aufgrund teurer Vorschriften nur 34 landwirtschaftliche Stauseen gebaut wurden. Er forderte dringende Reformen in der Stadtplanung.

Experten wie die Klimawissenschaftlerin Dr. Clair Barnes vom Imperial College London warnen, dass diese Ereignisse direkt mit dem Klimawandel zusammenhängen. Dennoch gibt es hoffnungsvolle Lösungen: Bürger nutzen zunehmend Wärmepumpen (heat pumps), die im Winter heizen und im Sommer Häuser auf 21°C kühlen können, wenn draußen 35°C herrschen. Dies zeigt, dass technologische Innovationen helfen können, die Auswirkungen hoher Temperaturen abzumildern, während auf das Ziel der Netto-Null-Emissionen hingearbeitet wird.