Zwanzig Jahre lang beobachtete ein Forschungsteam Erwachsene über 65. Ein Training der mentalen Verarbeitungsgeschwindigkeit senkte ihr Demenzrisiko um ein Viertel. Und eine einfache Alltagstätigkeit – wie das Zähneputzen mit der nicht dominanten Hand – hilft ebenfalls, das Gehirn wach zu halten.

Jahrzehntelang galten Kreuzworträtsel, Sudoku und Gedächtnisspiele als ideales "Fitnessstudio" für einen klaren Kopf. Eine neue Welle wissenschaftlicher Erkenntnisse stellt diese Idee jedoch auf den Prüfstand: Die Ergebnisse zeigen, dass mentale Übungen nicht bei allen gleich wirken. Das Geheimnis liegt vielleicht nicht im Hobby selbst, sondern in der Fähigkeit des Gehirns, Informationen schnell zu verarbeiten.

Die wichtigste Untersuchung basiert auf einer 20-jährigen Nachbeobachtung einer klinischen Studie mit Erwachsenen ab 65 Jahren. Teilnehmer, die ein spezielles Programm zur Steigerung der Verarbeitungsgeschwindigkeit durchführten, wiesen ein 25 Prozent geringeres Demenzrisiko auf als die Kontrollgruppe. Diese Ergebnisse haben eine groß angelegte, mit mehr als 50 Millionen US-Dollar von den US-Gesundheitsinstituten (NIH) finanzierte Studie angeregt, die verschiedene Computerübungen vergleicht, um zu sehen, welche den kognitiven Verfall im Alter positiv beeinflussen können.

Wie funktioniert die untersuchte Übung?

Das Training besteht aus einer schnellen und anspruchsvollen visuellen Aufgabe: Auf dem Bildschirm erscheint in der Mitte ein Fahrzeug, das erkannt werden muss, während gleichzeitig ein Signal in der Peripherie auftaucht. Der Teilnehmer muss sich nicht nur merken, welches Fahrzeug gesehen wurde, sondern auch die Position des Signals. Das Programm steigert die Schwierigkeit nach und nach – die Geschwindigkeit wird erhöht, Ablenkungen werden hinzugefügt und die Entfernung zwischen den Objekten wird größer. Diese Art der Stimulation aktiviert das cholinerge System des Gehirns, ein Netzwerk für Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, das mit zunehmendem Alter schwächer wird.

Die in der Studie verglichenen Trainingsformen

  • Logik und Konzentration: Übungen zur Planung und Problemlösung.
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit: Identifizieren und Platzieren von Reizen auf dem Display.
  • Traditionelle Spiele: Wörter, Puzzle, Solitär oder Vier gewinnt.
  • Sudoku und Kreuzworträtsel: die Klassiker des mentalen Trainings.

Warum Sudoku und Kreuzworträtsel allein nicht ausreichen?

Überraschend zeigte die Analyse von Blutbiomarkern für Alzheimer: Nur bei der Gruppe mit dem Verarbeitungsgeschwindigkeitstests fanden sich günstige Veränderungen der Biomarker. Die wort- und spielbasierten Übungen hatten diesen Effekt nicht. Der Neurologe Etienne de Villers-Sidani von der McGill-Universität betont: "Dazu sage ich nicht, dass es schlecht ist, dies zu tun. Aber darauf sollte man sich nicht konzentrieren, um die Auswirkungen des Alterns zu mildern."

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Weitere Untersuchungen zeigten: Das Verarbeitungsgeschwindigkeitstraining beeinflusste Amyloid-Biomarker bei Männern, nicht jedoch bei Frauen. Bei Frauen besserte sich die Tiefe der Rindenfalten, die mit Gedächtnis und Aufmerksamkeit zusammenhängen. Dr. Robyn Honea, Neuro-Image-Forscherin der Studie, meint: "Veränderungen bei Werten zu sehen, die normalweise mit dem Alter schlechter werden, ist ermutigend." Diese Beobachtung ist umso wichtiger, weil Frauen fast zwei Drittel der Alzheimer-Patienten in den USA ausmachen.

Alter und kognitive Fähigkeit spielen mit

Studien belegen, dass jüngere Erwachsene mit einem hohen kognitiven Niveau nur kleine Verbesserungen erreichen. Ältere Menschen, die sich wenig fordern, könnten jedoch stark profitieren. Prof. Aaron de Seitz von der Universität Northeastern erklärt: "Diejenigen, die am wenigsten profitieren, sind die mit der besten Ausgangslage. Je weiter jemand entfernt ist von seiner früheren Hochleistung, desto besser wird er auf die Übungen reagieren."

Einfache Gewohnheit gegen den Autopilot

Während die Wissenschaft mit Computerübungen große Fortschritte erzielt, gibt es eine noch einfachere Übung, die ergänzt werden kann: Alltäglich Aufgaben mit der nicht dominanten Hand erledigen. Ob es albern klingt – mit der anderen Hand Zähne zu putzen, ist eine wirksame Übung für das zentrale Nervensystem. Wenn Erwachsene diese ungewohnte Bewegung ausführen, ist das Gehirn gezwungen, den "Autopiloten" zu verlassen und sich bewusst zu koordinieren, was neue synaptische Verbindungen entstehen lässt.

Das kognitive Training – zusammen mit Bewegung, gutem Schlaf, ausgewogener Ernährung und einer aktiven sozialen Lebensführung – gehört zu einer umfassenden Strategie für ein gesundes Gehirn. Es geht nicht darum, ein "magisches Videospiel" zu finden, sondern einen Lebensstil mit ständigen, positiven Herausforderungen zu gestalten. Fazit: Ein aktives Gehirn ist mehr als nur ein Sudoku am Morgen, und in Zukunft könnte man die Übungen ganz personalisiert werden – je nach Alter, Geschlecht und individuellen Fähigkeiten.


Quellen: El Economista, Rosario3, Diario Uno