22/06/2026 06:58 - Economia
Vista aérea del complejo agroexportador del Gran Rosario con barcos cargueros, silos industriales y la infraestructura portuaria a orillas del río Paraná, mostrando la magnitud de la industria aceitera argentina.
Argentinien könnte seine Position als weltgrößter Exporteur von Sojamehl verlieren, eine Führungsrolle, die das Land seit Jahrzehnten innehat und die das wichtigste industrielle Exportprodukt des Landes darstellt. Die Bolsa de Comercio de Rosario (BCR) sprach eine deutliche Warnung aus: Brasilien rückt immer näher und die Lücke schließt sich rasant.
Laut den Prognosen der BCR für das erste Halbjahr 2026 würde Argentinien 13,3 Millionen Tonnen Sojamehl exportieren, während Brasilien 12,3 Millionen Tonnen erreichen würde. Der Unterschied ist winzig: Nur eine Million Tonnen trennen die beiden Länder.
| Jahr | Exportlücke | Kontext |
|---|---|---|
| 2021 | 86 % zugunsten Argentiniens | Absolute Marktdominanz Argentiniens |
| Erstes Halbjahr 202523 % zugunsten Argentiniens | Die Kluft beginnt sich zu verringern | |
| Erstes Halbjahr 2026 (Prognose) | 8 % zugunsten Argentiniens | Brasilien hat Argentinien fast eingeholt |
Quelle: Bolsa de Comercio de Rosario (BCR), Juni 2026.
Der Schlüssel zum brasilianischen Aufschwung liegt in der Biodiesel-Industrie. Brasilien schloss 2025 mit einem Rekordvolumen von 58,7 Millionen Tonnen verarbeiteter Soja ab, was einem Anstieg von 22,8 % gegenüber 2021 entspricht.
Diese Förderpolitik für Biokraftstoffe führte zu einer historisch hohen Binnennachfrage nach Sojaöl und infolgedessen zu einem größeren Angebot an Sojamehl für den Export.
„Als Gegenstück entsteht ein größeres Angebot an Sojamehl, was Brasilien zu immer größerer Wettbewerbsfähigkeit verhilft.“ — Emilse Terré, Managerin für Information und Wirtschafts- studien der BCR.
Während Brasilien stetig wächst, zeigt die argentinische Mühlenproduktion einen praktisch stagnierenden Verlauf. Diese mangelnde Ausweitung der lokalen Verarbeitung steht in scharfem Kontrast zur brasilianischen Strategie.
Die Warnung der BCR ist direkt: Die brasilianische Expansion „beeinflusst direkt Argentiniens wichtigstes Exportprodukt und den Hauptbestimmungsfaktor für den Sojapreis im Binnenmarkt.“
Hauptziel: Spanien, Italien, Niederlande, Polen und Irland. Auch das Vereinigte Königreich ist ein relevanter Markt.
Vietnam, Indonesien und Malaysia konzentrieren zwischen 25 % und 30 % der argentinischen Verschiffungen im letzten Jahrzehnt.
Jüngstes Wachstum: Saudi-Arabien, Iran, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Länder der Pazifik-Allianz (Kolumbien, Chile, Ecuador und Peru) gewinnen an Anteil, während Nordafrika auf ein 15-Jahres-Tief fällt.
Sojamehl ist ein Nebenprodukt der Sojabohnenvermahlung und wird hauptsächlich in der Tierfütterung (Rinder, Geflügel, Schweine) verwendet. Argentinien hat sich dank seiner industriellen Verarbeitungskapazitäten in der Region Gran Rosario (die wichtigste agroindustrielle Zone des Landes) als Weltleader etabliert.
Die argentinische Wirtschaft durchläuft jedoch einen strukturellen Wandel: Das Wachstum von Vaca Muerta (einem der größten Schieferöl- und -gasvorkommen der Welt) positioniert Erdöl als neuen Generator von Devisen. Während der Energiesektor an Gewicht gewinnt, beginnt Argentinien, an Boden zu verlieren in Märkten, in denen es über Jahrzehnte hinweg globale Wettbewerbsvorteile aufgebaut hatte.
Quellen: Infobae | Clarín Rural | La Política Online | Bolsa de Comercio de Rosario (BCR).
Alfredo S. Quiroga