29/06/2026 15:23 - Actualidad
Das Frente de Unidad Docente Bonaerense (FUDB) – ein Bündnis aus den vier größten Lehrergewerkschaften der Provinz AMET, FEB, SUTEBA und UDOCBA – hat einen provincialen Streik für den Dienstag, 30. Juni 2026 angekündigt. Dies stellt eine historische Zäsur dar: Es ist die erste großangelegte Arbeitsniederlegung dieser Art gegen die Regierung von Axel Kicillof, dem Gouverneur der Provinz Buenos Aires.
Die Provinz Buenos Aires ist die bevölkerungsreichste Provinz Argentiniens mit über 17 Millionen Einwohnern. Axel Kicillof ist seit 2019 Gouverneur und war zuvor Wirtschaftsminister unter Präsident Cristina Kirchner. Das öffentliche Bildungssystem der Provinz ist das größte des Landes.
Die Gewerkschaften haben ein Sechs-Punkte-Programm vorgestellt, das die dringendsten Probleme des Bildungssystems addressiert:
Die Lehrer fordern die vollständige Umsetzung des paritätischen Übereinkommens zur Prävention von Gewalt an Schulen. Dies umfasst konkrete Protokolle, strafrechtliche Konsequenzen bei Delikten und Maßnahmen zum Schutz der physischen und psychischen Integrität aller Beteiligten.
Die Gewerkschaften verlangen eine Wiedereröffnung der Tarifverhandlungen (Paritarias) zur Anpassung der Gehälter an die Inflation. Zudem fordern sie vom Nationalstaat die Wiederherstellung des FONID (Fondo Nacional de Incentivo Docente), einem nationalen Bonusfonds für Lehrer.
Die Lehrer klagen über zunehmende Bürokratie und fordern eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatzeit. Sie verlangen die Abschaffung der Resolutionen 3367 und 333, die zusätzliche Pflichten eingeführt haben. Trotz sinkender Schülerzahlen soll kein Lehrer entlassen werden.
Die Gewerkschaften fordern die Wiederherstellung der Budgetmittel für technische Schulen. Die Streichung gefährdet die Ausbildung tausender Jugendlicher in praktischen Berufen und damit die Zukunft der beruflichen Bildung.
Die Lehrer lehnen geplante Reformen des nationalen Rentensystems ab, die negative Auswirkungen auf das Instituto de Previsión Social (IPS) – die Rentenkasse der Provinz – hätten und die Altersvorsorge der Lehrer gefährden würden.
Das IOMA (Instituto de Obra Médico Asistencial) ist die Krankenversicherung der Provinzangestellten. Die Lehrer fordern, dass diese angemessene Gesundheitsleistungen für alle Bildungsfachkräfte garantiert.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Paritarias | Argentinisches System der Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Staat, das Gehaltsanpassungen festlegt. |
| FONID | Fondo Nacional de Incentivo Docente – Ein nationaler Fonds zur Gehaltsaufbesserung für Lehrer, der seit 2024 gekürzt wurde. |
| IOMA | Die öffentliche Krankenversicherung für Beschäftigte der Provinz Buenos Aires. |
| IPS | Das Renteninstitut der Provinz Buenos Aires für öffentliche Bedienstete. |
Dieser Streik markiert einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den Lehrergewerkschaften und der Provinzregierung. Die Lehrer sprechen von einem „brutalen Kürzungskurs im öffentlichen Bildungswesen“, der durch die finanzielle Notlage der Provinz verschärft werde. Gleichzeitig verweist sie auf eine zunehmende Gewalt an Schulen, die das Bildungsumfeld belaste. Der Streik wird alle Schulen der Provinz Buenos Aires erfassen – von Kindergärten bis zu Sekundarschulen.
Alfredo S. Quiroga