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Niger startet Hetzjagd auf LGBTQ+-Community mit Dutzenden Verhaftungen

01/07/2026 07:35 - Internacionales

Eine beispiellose Verhaftungswelle

Eine wahre Hexenjagd läuft im westafrikanischen Niger, wo mindestens 40 Menschen verhaftet wurden. Darunter befinden sich auch 16 inhaftierte Männer, darunter hochrangige Militäroffiziere. Der neue Strafgesetzbuch, der im Februar 2026 in Kraft trat, kriminalisiert erstmals ausdrücklich gleichgeschlechtliche Beziehungen in dem Land.

Die LGBTQ+-Bevölkerung ist gezwungen, sich zu verstecken. Das Klima hier ist wirklich giftig, erklärte eine anonyme Quelle aus Gesundheitsorganisationen. Viele haben den Kontakt zu Hilfsorganisationen verloren und leben in ständiger Angst vor Verfolgung.

Die neuen Strafen im Überblick

  • Homosexuelle Beziehungen: bis zu 10 Jahre Gefängnis
  • Höchststrafe: 100 Millionen CFA-Francen (~130.000 Pfund)
  • Gleichgeschlechtliche Ehen: bis zu 20 Jahre Gefängnis
  • Organisation: bis zu 500 Millionen CFA-Francen Strafe
  • Bei Anwesenheit: bis zu 20 Jahre Haft

Hintergrund: Niger im Überblick

Niger ist ein Binnenstaat in Westafrika mit etwa 27 Millionen Einwohnern und gilt als eines der ärmsten Länder der Welt.

Die Hauptstadt Niamey hat rund 1,3 Millionen Einwohner. Das Land grenzt an Nigeria, Benin, Burkina Faso, Mali, Algerien und Libyen.

Gesundheitskrise: Die Rückkehr von HIV

Die Kriminalisierung hat sofortige Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Organisationen, die HIV-Dienste für Männer, die Sex mit Männern haben, mussten ihre Arbeit einstellen. Betroffene haben keinen Zugang mehr zu Kondomen, Tests oder PrEP (Präventionsmedikation gegen HIV).

Niger verzeichnete 2023 bereits 32.000 neue HIV-Infektionen. Die Region Subsahara-Afrika konzentriert 64% aller HIV-Infizierten weltweit. Wenn Menschen sich verstecken, erreichen wir sie nicht und sie können sich nicht schützen, warnten Experten.

Wichtig: Letzte Woche stimmte Niger gegen die politische Erklärung der UN zu HIV/AIDS, die mit 149 Stimmen angenommen wurde.

Politische Situation seit dem Putsch

General Abdourahamane Tiani übernahm durch einen Militärputsch im Juli 2023 die Macht und wurde 2025 für eine fünfjährige Amtszeit als Präsident vereidigt. Er löste alle politischen Parteien auf und bildete die Allianz der Sahel-Staaten zusammen mit Burkina Faso und Mali.

Diese drei Länder brachen mit der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS), was zu regionaler Instabilität führt. Die neue Gesetzgebung ist Teil einer konservativen Wende der Militärregierungen.

Anti-LGBTQ+-Gesetze in Afrika (Regionaler Kontext)

Land Gesetzgebung Höchststrafe
Uganda Anti-Homosexualitäts-Gesetz (2023) Todesstrafe
Senegal Neues Gesetz (verdoppelte Strafen) 10 Jahre Gefängnis
Ghana Gesetzentwurf gegen LGBTQ+-Gruppen In Bearbeitung
Niger Neuer Strafgesetzbuch (Februar 2026) 20 Jahre (gleichgeschlechtliche Ehe)

Hinweis: 33 der 66 Länder, die einvernehmliche homosexuelle Handlungen kriminalisieren, befinden sich in Afrika.

Ein besorgniserregender regionaler Trend

Die Strafrechtsreform in Niger reiht sich ein in einen wachsenden Trend in Subsahara-Afrika hin zu stärker bestrafenden Gesetzen gegen die LGBTQ+-Community. Nachbarländer wie Mali und Burkina Faso haben in den letzten zwei Jahren ähnliche Gesetze eingeführt.

Politologin Larissa Kojoué kritisiert den politischen Missbrauch: Die politischen Führer nutzen dies für ihre eigenen Agenden. Sie berufen sich auf afrikanische Werte, Souveränität und Kultur, während sie fröhlich Menschenrechte untergraben.

Internationale Reaktionen

Die internationale Menschenrechtsorganisation Front Line Defenders drückte tiefe Besorgnis über die Ereignisse aus und rief die Behörden dazu auf, alle Bestimmungen aufzuheben, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität kriminalisieren.

Das neue Strafgesetzbuch stellt einen signifikanten Rückschritt für Menschenrechte in einem Land dar, das bisher keine spezifische Gesetzgebung gegen die LGBTQ+-Community hatte. Quelle: Berichte lokaler Medien und internationaler Menschenrechtsorganisationen.

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Alfredos Kolumne Alfredo S. Quiroga

Alfredo S. Quiroga