NEUESTE
Español English 中文 Português Français Italiano Deutsch العربية Русский اردو

Bildungsstreik in Buenos Aires: Provinz und Gewerkschaften ohne Einigung

01/07/2026 09:25 - Sociales

Eine Verhandlung ohne Fortschritte

Die Situation in den Tarifverhandlungen („Paritarias“) der Provinz Buenos Aires lässt sich mit einem Satz zusammenfassen, der von der Regierung selbst stammt: „Wir sind weit voneinander entfernt“. Funcionarios der Provinzregierung halten zwar Kontakt zu den Gewerkschaftsführern, aber die Kluft zwischen dem Angebot der Regierung und den Forderungen der Arbeiter bleibt laut El Día enorm.

Dieser Umstand erklärt den Lehrerstreik, der am 30. Juni 2026 mit einer Beteiligung von über 90 % stattfand. Für diejenigen, die mit der argentinischen Politik nicht vertraut sind: Die Provinz Buenos Aires ist nicht die Hauptstadt selbst, sondern das riesige Umland mit über 15 Millionen Einwohnern, was diesen Konflikt zu einem der wichtigsten des Landes macht.

Die wichtigsten Gewerkschaften

In Argentinien sind die Gewerkschaften („Gremios“) ein starker politischer Faktor:

  • SUTEBA: Die größte Lehrergewerkschaft der Provinz.
  • FEB: Dachverband der Erzieher.
  • AMET: Verband für technisches Lehrpersonal.
  • Udocba: Weitere wichtige Lehrervertretung.

Hauptforderungen

  • Dringende Gehaltsanpassung an die Inflation.
  • Mehr Sicherheit angesichts steigender Gewalt an Schulen.
  • Wiedereinführung des FONID (nationaler Lehrerfonds, vom Staat gestrichen).
  • Garantien für das IOMA (die Provinz-Krankenkasse).

Das Problem: Löhne vs. Inflation

Der Kern des Konflikts ist wirtschaftlich. Argentinien leidet unter hoher Inflation, und die Gehälter hinken hinterher. Hier sind die Daten, die den Streik erklären:

Indikator Prozentsatz
Gehaltserhöhung 2026 (akkumuliert) 9,3 %
Inflation 2026 bis Mai (akkumuliert) 14,7 %
Inflation im Juni (laut FEB) 2,1 %
Lebensmittel (Juni) 2,5 %

Das Ergebnis: Die Kaufkraft der Lehrer sinkt. Die Regierung schlug vor, den Monat Juni ohne Erhöhung zu überspringen und erst für Juli bis September zu verhandeln, was die Gewerkschaften ablehnen.

Finanzkrise der Provinz

Gouverneur Axel Kicillof argumentiert mit der leeren Kasse. Er priorisiert die pünktliche Zahlung des „Aguinaldo“. Das ist in Argentinien ein gesetzlich vorgeschriebenes 13. Monatsgehalt, das halbjährlich gezahlt wird und für viele Haushalte überlebenswichtig ist.

Schulden des Nationalstaates bei der Provinz:

17,8 Billionen Pesos

Gesamtfehlbetrag:

26,7 Billionen Pesos

Diese Zahlen beinhalten auch Steuerausfälle durch die wirtschaftliche Flaute. Die Provinz hat dies bereits vor Gericht gebracht, aber noch keine Lösung erhalten.

Gewalt an Schulen und Arbeitsbelastung

María Laura Torre, Generalsekretärin von SUTEBA, betonte im Gespräch mit Radio Provincia, dass es nicht nur um Geld geht:

„Es ist nicht nur Schulgewalt, sondern Gewalt, die in der Schule explodiert. Wir müssen sichtbar machen, dass dies ein wachsendes Problem ist.“

Neben physischer Gewalt ist auch verbale Aggression ein Thema. Zudem fordern die Lehrer eine Reduzierung der Arbeitsbelastung und Änderungen im akademischen Regime der Sekundarschulen.

Der Vergleich mit dem Nationalstaat

Während in der Provinz gestreikt wird, einigte sich die nationale Regierung am 30. Juni 2026 (Dekret 552/2026) mit den Angestellten des öffentlichen Sektors:

Monat Erhöhung
Juni 2026 2,40 %
Juli 2026 2,20 %
August 2026 1,90 %

Zusätzlich wurde eine einmalige steuerpflichtige Zulage von 50.000 Pesos gewährt, die im August ausgezahlt wird. Dies erhöht den Druck auf Gouverneur Kicillof, ein ähnliches Angebot vorzulegen.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Die Regierung der Provinz Buenos Aires hat Zeit bis Mitte Juli, um ein Angebot vorzulegen, das im August ausgezahlt werden kann. Dies ist bereits der zweite Streik im Jahr 2026. Die Verhandlungen werden mit Hochdruck fortgesetzt, um das Bildungswesen in Argentiniens größter Provinz wieder zu stabilisieren.

Heutige Nachrichten
Alfredos Kolumne Alfredo S. Quiroga

Alfredo S. Quiroga